Nicht den Mangel beklagen, sondern die Vielfalt zeigen

weird Magazin, November Ausgabe 2012

Interview mit Bernadette La Hengst | von Christine Stonat

weird: Dein neues Album „Integrier mich, Baby“ ist sozial- und gesellschaftskritisch, aber auch ein Album über die Liebe. „Bedingungsloses Grundeinkommen Liebe“. Braucht unsere aktuelle Welt mehr Liebe im Kampf gegen die Krise(n)?

Bernadette La Hengst: Krisen sind immer dazu da, etwas Neues entstehen zu lassen und die Welt braucht immer Liebe, um der Vergänglichkeit etwas entgegen zu setzen. Für mich ist eine neue Liebe immer wie ein Wunder. Ich kann mich selbst noch mal neu erfinden, dadurch werde ich zumindest für eine Zeit lang zu einem besseren Menschen. Ach, das klingt ja schlimm, aber ich lasse es mal so stehen. Meine utopische Idee von Liebe ist ja, dass man dadurch die Welt verändern kann. Aber ich benutze die Liebe in meinen Texten mehr als Bild, um ein gesellschaftliches Phänomen zu beschreiben, z. B. vergleiche ich die Bedingungslosigkeit der Liebe mit der eines Grundeinkommens. Das ist das, was sich eigentlich jeder wünscht, und wenn ich diese politische Forderung in ein Liebeslied übertrage, wird es vielleicht besser verstanden. Auch bei dem Titelsong „Integrier mich, Baby“ funktioniert dieser Trick sehr gut. Die Integrationsdebatte, die hierarchische Frage danach, wer hier eigentlich wen integriert, hab ich einfach in die Liebesbeziehung übertragen. Und zusammen mit tanzbarem Discosoul ergibt das dann meine Version von „Subversion durch Schönheit“.

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